Priester ist nicht gleich Priester, und Priester ist nicht gleich Priesterin

In den vergangenen zwei Wochen hatte ich die Gelegenheit zu zweierlei Lektüre, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte.
Mir ist klar geworden, dass wir im katholischen Raum nicht immer vom Gleichen sprechen, wenn wir die gleichen Wörter benutzen. Es geht mir hier um den „Priester“. Der männliche Priester unterscheidet sich in den beiden Büchern nicht nur durch das Geschlecht von der weiblichen Priesterin. Das Konzept, was das Priesterliche ist, ist so unterschiedlich, als käme man von unterschiedlichen Planeten. Und faktisch befinden wir uns mit beiden Büchern in der katholischen Kirche.

Das eine Buch lag eines Tages in unseren Kirchen, von wem auch immer dort hinterlassen: Ein Buch von Robert Sarah (Kardinal) und unserem ehemaligen Papst Benedikt mit dem Titel „Aus der Tiefe des Herzens“. Das andere Buch habe ich von einer Frau aus unserer Kirchengemeinde ausgeliehen bekommmen – ein Buch von Anselm Grün OSB und Linda Jarosch mit dem Titel „Königin und wilde Frau“.

Die Priesterin ist bei Anselm Grün und Linda Jarosch die Hüterin des heiligen Feuers. „Die priesterliche Frau hütet das heilige Feuer in dieser Welt. Feuer steht für Liebe und Wärme. Inmitten dieser kalten und liebesleeren Welt hütet die Priesterin das Feuer der göttlichen Liebe. Sie erweist damit dieser Welt einen wichtigen Dienst. Es ist ein heiliges Feuer. Das Heilige ist das, was der Welt entzogen ist. Darüber hat die Welt keine Macht. Die priesterliche Frau hat ein Gespür für das Heilige. Sie spürt das Heilige in sich selbst. Sie ist in Berührung mit dem Raum, über den die Welt keine Macht hat … . Eine priesterliche Frau entdeckt die Spuren Gottes im Leben der Menschen und deutet diese Spuren.“ (S. 89/91)

Hüterin, nicht Macherin des Feuers. Gott schenkt seine Gegenwart – priesterliche Menschen haben die besondere Gabe, dieses Feuer zu entdecken und zu hüten, bei sich und bei anderen.

Was hier über Frauen gesagt wird, kann selbstverständlich genauso auch über Männer gesagt werden. Was dagegen Robert Sarah über priesterliche Männer sagt, kann so nur über Männer gesagt werden.

Robert Sarah entwickelt sein Priesterbild von zwei Seiten her: der Eucharistiefeier und dem Zölibat. Der Priester repräsentiert Christus, ja, noch mehr: Er ist, zumindest in der Eucharistiefeier, ein „ipse Christus“, er wird dort am Altar selbst zu Christus und als solcher von den Gläubigen erkannt. Damit Christus in ihnen erkannt werden kann, braucht es zweierlei: einen Mann und das Zölibat. Nur ein männlicher Priester kann den männlichen Christus repräsentieren. Das Zölibat ist dabei Ausdruck der „Ganzhingabe“ des Priesters, die wiederum deshalb so wichtig ist, weil auch Jesus sich für uns ganz hingegeben hat. Also, in mathematischer Eindeutigkeit: Zölibat=totale Hingabe/Ganzhingabe=ontologisches/wesentliches Merkmal priesterlicher Existenz=grundlegend, um selbst Christus zu sein, weil Christus sich auch total hingegen hat = wichtig, damit der männliche Priester (als Christus) uns die Eucharistie schenken kann (S. 68 ff und auf vielen Seiten des Buches).

Nur ein paar Fragen, zugegebenermaßen mit spitzer Zunge gestellt, und denen, denen das so zu viel ist, mögen Nachsicht mit mir haben. Es verletzt mich einfach, wenn Männer wie Sarah so argumentieren.
Ist Gott in Jesus Mann oder Mensch geworden?
Worin unterscheidet sich Hingabe und Ganzhingabe?
Warum soll ausgerechnet der Zölibat Ausdruck einer Ganzhingabe sein?
Was heißt es überhaupt, sich Jesus hinzugeben?
Wo bleiben in dem Gedankengebäude unsere menschlich so vielschichtigen Realitäten? Ich möchte behaupten, dass wir uns alle Jesus nie ganz hingeben, und dass das Zölibat kein Gradmesser der Hingabe ist.
Sarah setzt den Priester und Christus in eins. Das ist theologisch tatsächlich kritisch zu bewerten. Ein Merkmal unseres christlichen Glaubens ist, dass Gott uns nahe kommt, sich erkennbar macht und sich zugleich unserem Zugriff entzieht und ein Geheimnis bleibt. Gott ist nie einfach „identisch“ mit irgendwas oder irgendwem auf der Erde. Gott ist als unverfügbares Geschenk in Mensch und Schöpfung gegenwärtig und verborgen. Ist Sarah klar, dass er fundamentalistisch argumentiert?
Noch etwas: Wie würde Sarah z.B. folgende Bibelstelle in sein Gedankensystem integrieren?
Gal 3,27: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ In allen diesen Texten geht es nicht um den geweihten Priester, sondern um etwas, das allen in Christus geschenkt ist: Seine Gegenwart in uns, die unsere eigene Identität zutiefst bestimmt.
Entsprechend Gal 3,28: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“

Robert Sarah geht es um die Zementierung eines klerikalen Priestertums: Es ist männlich, gottgewollt, vollständig und eindeutig. Der Priester wird zum Heilsmittler, er ist (zumindest in der Eucharistie, aber sicher auch darüber hinaus) selbst Christus. Mein kurzer abschließender Kommentar: Das riecht gewaltig nach Macht und öffnet Türen zu Machtmißbrauch.

Mir ist die Hüterin des heiligen Feuers lieber, – und an dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle (männlichen, geweihten) Priester in der katholischen Kirche, die genau das sind: Hüter des heiligen Feuers. Und eine Ermutigung an uns Frauen und Männer: Ergreift eure priesterliche Berufung, wenn ihr sie in euch tragt!

Ruth Fehling

2 Gedanken zu „Priester ist nicht gleich Priester, und Priester ist nicht gleich Priesterin“

  1. Durch unsere Taufe sind wir alle egal welcher Hautfarbe, ….. und welchen Geschlechts Könige. Prophten und nicht zuletzt Priester, so ist es in der Bibel zu lesen und die Menschen haben daraus gemacht, sie daraus gemacht haben, Chance verpasst und Sätze übersehen, die da sagen „Alle Menschen sind von Gott gleich geschaffen“, dass wir körperlich unterschiedlich sind, ist ja wohl klar, aber dass wir auch alle in unseren Verfasstheit zu den selben geitligen und geistlichen Dingen fähig sind wohl auch. Bin da guter Hoffnung – das ist ja mein Thema- dass sich da etwas tun wird/muss, bin aber realistisch genugzu sagen wohl nicht zu meinen Lebzeiten, wenn doch so, dann würde es mich freuen!
    Ein interessantes, sich lohnendes Thema zum Austausch, das habe ich heute morgen in einem solchen gemerkt, und mir ist wichtig, das in der ganzen Bannbreite in aller Offenheit tun zu können, nicht immer leicht, wir aber immer leichter für mich.
    B. R.-R.

  2. Liebe Ruth,

    vielen Dank für diesen Beitrag über Priester und Priesterinnen,
    vielen Dank auch für das Interview „Let‘s Talk about“,
    und nicht zuletzt für die Ordensfrauen.

    Ich glaube, dass es in unserer Kirche Nicht um männlich oder weiblich geht.

    Unsere Kirche besteht aus Männern und Frauen mit unterschiedlich von Menschenhand verteilten Rollen und Aufgaben.

    Unsere Kirche hat ihre Stärken
    und sie hat ihre Schwächen….

    Ich glaube, es geht darum, ob ich als Mensch mich Gottes Geist und Kraft öffne und mich als ein schwaches, zerbrechliches Gefäß, das ich bin – Gott so hingebe und mich Ihm zur Verfügung stelle, damit ER durch mich wirken kann.

    Auch glaube ich, dass ein Priester oder Priesterin die Aufgabe hat, als Mittler oder Brücke zwischen den Menschen und Gott zu wirken.

    Gott Jesus Christus wirkt in-/und durch uns.
    Wir selbst können nichts bewirken, wir selbst sind nicht Gott.

    Und ich glaube, dass der Priester am Altar nicht die gleiche Person wie Jesus Christus ist, er ist nur der Vertreter Christi.

    Meine Überzeugung und Hoffnung ist dass jede Person – unabhängig von Geschlecht – in der Lage ist, diesen Heiligen Dienst am Altar Im Glauben und in der Liebe zu Gott und den Menschen als unser erstes und wichtigstes Gebot auszuführen….

    Ich wünsche allen einen schönen und erholsamen Urlaub.

    Herzliche Grüße
    Alexandra Streb

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