Madeleine Delbrêl – Einsamkeit, Schweigen und der Hohlraum Gottes

Ein Mitglied unserer Kirchengemeinde schickte mir diese Gedanken von Madeleine Delbrel 

"Die Einsamkeit, die Gott dem Christen so oft in grosszügiger Weise zu schenken
weiß, scheint mir eine Art Sakrament für die Welt zu sein. Sie ist einer der
tiefsten Risse, die dem Herrn und seiner Erlösung erlauben, durch uns hindurch
in die Welt einzudringen."

und weiter: "Es gibt keine Einsamkeit ohne Schweigen. Manchmal heißt Schweigen,
den Mund halten, immer aber heißt es lauschen. 

Das Schweigen ist keine Flucht, sondern Sammlung unserer selbst im Hohlraum
Gottes."

Mir liegt das französische Original nicht vor. Schreibt Madeleine Delbrel hier wirklich von „Einsamkeit“? Ich kenne den Unterschied zwischen Alleine-Sein und Einsamkeit sehr gut. Alleine-Sein ist manchmal lebensnotwendig, eine Tankstelle für die Seele. Einsamkeit schmerzt, – und man kann auch inmitten von hundert Menschen sehr einsam sein.

Ich glaube, dass M.D. hier tatsächlich von Einsamkeit spricht, – als tiefsten Riss in uns und als Möglichkeit Gottes, uns nahe zu kommen.

„Denn meine Kraft die ist im Schwachen mächtig …“

Viele Grüße, Ruth Fehling

2 Gedanken zu „Madeleine Delbrêl – Einsamkeit, Schweigen und der Hohlraum Gottes“

  1. Ein fürwahr interessanter, schöner Text mit dem Schlüsselsatz „Schweigen ist eine Sammlung unserer selbst im Hohlraum Gottes.“ Ich stelle mir das bildlich und reel vor, das ist ein sehr angenehmes Gefühl und manchmal komme ich mir so in der Laudes vor, wenn ich um mich herum alles vergesse und gerade noch den letzten Hauch des Segens erahne, ja ein genialer Ausdruck des Eins-Seins mit I H M, das ist dann sowohl eine Ein-sam- keit als auch völliges Allein-sein bei I H M.

    Im Übrigen kann ich es so sehen wie Mirjam, und schlussendlich legt da jeder und jede und jede Kultur ihre eigenen Konotationen mit hinein vielleicht auch die/der Übersetzer des franz. Originals.
    Im Französischen gibt es für Alleinsein und Einsamkeit nur das Wort
    S O L I T U D E, was auch ein Ort der Zurückgezogenheit bedeutet, oder man denke an den Ausdruck sie/er zog sich zurück in die Einsamkeit der Wälder,… .
    Im Französischen schwingt mir manchmal fast etwas Eremitisches mit.

    Im Englischen gibt es dagegen 2, eigentlich 3 Wörter nämlich, solitariness, solitude
    (positiv) und loneliness, was eher negative Schwingungen beinhaltet , oft im Sinne von sich alleingelassen fühlen, sich überlassen gelassen fühlen: letzteres will ich sagen, kenne ich wohl und das ist sehr schmerzhaft.

    Neige dazu zu sagen, dass Madeleine Delbrel beides meint, indem man zuerst durch alle Verlassenheiten – wie Jesus am Kreuz- hindurch muss, die sich einem im Leben in den Weg stellen können und in einer und dann zur heilenden nennen wir es Ein-sam-keit oder All-ein-sein zu gelangen, eine positive Wendung des Kreuzes (Gestern war Kreuz-Erhöhung)
    Danke dem jenigen, der den Text geschickt hat, und Danke denen, die ihn eingestellt haben.

    Barbara Ring-Rohr

  2. Meist verstehen wir unter Einsamkeit die soziale Isolation, die schmerzhaft ist.

    Aber ich denke, dass Medeleine Delbrêl hier die Einsamkeit im positiven Sinn, also im Sinne einer geistigen Erholungstrategie zum Ordnen der Gedanken meint.

    Und ja, beides habe ich schon erlebt. Sowohl die schmerzende Einsamkeit inmitten von vielen Menschen wie auch die wohltuende Einsamkeit, ganz allein mit mir und meinen Gedanken.

    Allein bin ich häufig, aber deshalb nicht einsam im Sinne von sozial isoliert, da ich um viele Menschen weiß, die an mich denken und an die ich denke.

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