Die Psyche und die Seele

Ist das einfach das Gleiche? Haben wir früher „Seele“ gesagt, und benutzen dafür heute den Begriff „Psyche“?

Ich habe dazu ein sehr interessantes Interview (Manfred Lütz im Gespräch mit Christiane Florin) im Deutschlandfunk gefunden, einen kleinen Ausschnitt finden Sie unten im laufenden Text. Für das gesamte Interview folgen Sie bitte dem link.

Viele Grüße, Ruth Fehling

„Die Seele ist die Würde des Menschen“

Florin: Sie haben Medizin studiert, sich dann auf Psychiatrie spezialisiert. Und Sie haben katholische Theologie studiert, sind Diplom-Theologe. Was unterscheidet die Psyche, mit der sie sich als Mediziner beschäftigen, von der Seele, an die sie als Katholik glauben?

Lütz: Seele ist ein etwas diffuser Begriff heutzutage. Früher war der ziemlich klar definiert. Es gab Streit zwischen den Platonikern, zwischen Aristotelikern. In der Philosophie ist der Begriff auch gar nicht mehr beliebt, weil man nicht genau weiß, was man damit meint. Aber ich sage es jetzt mal so, wie ich das verstehe aus meiner Profession als Psychiater, Psychotherapeut und als Theologe: Da ist für mich die Seele eigentlich der Kern des Menschen, das Herz des Menschen, nicht im anatomischen Sinne, sondern der Kern. Also dasjenige, was ich liebe, wenn ich einen Menschen liebe, das ist die Seele. Dasjenige, wovon ich begeistert bin, was mich anspricht, was ist das „Du“ für mich, was Einmalige am Anderen. In dieser Seele ist die Würde eines Menschen. Diese Seele hat jeder Mensch, auch ein Behinderter, auch ein schwer psychisch Kranker.

Ein hoch psychotischer Mensch hat diesen Kern, der seine Würde ausmacht. Die Psyche, würde ich jetzt mal sagen, ist für mich ein bisschen das, was die Psychoanalyse den psychischen Apparat nennt, also die Determinanten der Psyche. Zu den Determinanten gehören körperliche Veränderungen im Gehirn, gehören vielleicht irgendwelche Hirnkrankheiten, können auch frühkindliche Erfahrungen zählen, die sozusagen die Freiheit des Menschen begrenzen. Die Seele aber ist der Bereich, den man liebt, aber auch der Bereich, in dem Gut und Böse liegen, also wo das Moralische liegt, was ja nach Kant die Würde des Menschen ausmacht. Ich habe in der Psychiatrie und Psychotherapie eigentlich mit der Psyche zu tun, nicht mit der Seele.

Florin: Das heißt, das Wort „Psyche“ schafft eine deutliche Distanz zur Seele des Menschen? 

Lütz: Es schafft Distanz und ist aber auch etwas, was ich dann auch wissenschaftlich einfach bearbeiten kann. Deswegen bin ich auch für eine strenge Trennung zwischen Psychotherapie und Seelsorge. Denn Psychotherapie ist immer im besten Sinne manipulativ. Das heißt, ein Experte versucht, die Symptome des Patienten wegzumachen. Das ist auch der Anspruch des Patienten. Das heißt, ich habe eine Methode und mit dieser Methode versuche ich, das wegzukriegen.

Aber wenn es um den Glauben geht, zum Beispiel um einen religiösen Glauben, und ich versuche, jemandem den Glauben sozusagen manipulativ anzumachen, wenn ich das so sagen soll, dann wäre das respektlos vor der Freiheit des Menschen. Der Glaube ist eine freie Antwort. Das heißt, wenn ein Seelsorger mit jemandem zu tun hat, muss er das auf Augenhöhe machen, von Existenz zu Existenz im Sinne von Martin Buber oder von Ich und Du. Die Psychotherapie ist, das muss man sich immer klarmachen, asymmetrisch. Der Therapeut ist der Experte. Und sobald der Therapeut auf Augenhöhe mit dem Patienten geht, sich in den Patienten verliebt, dem Patienten sagt, wie schlecht es ihm – dem Therapeuten – geht, dann ist das Missbrauch.

„Intimste Dinge, die Ihnen kein Mensch normalerweise sagen würde“

Florin: Vor allem im Gespräch mit dem Psychoanalytiker Otto Kernberg gehen Sie auf dieses Thema ein. Sie vergleichen sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche mit dem Missbrauch des Patienten durch den Psychotherapeuten. Da nennen Sie die Zahl von 14 Prozent der Psychotherapeuten, die übergriffig werden. Woher kommt die Zahl? 

(…)

Ein Gedanke zu „Die Psyche und die Seele“

  1. Ein höchst interessanter Artikel, Danke dafür.

    Ich möchte das auch nicht zer-diskutieren.

    Was ich hier über Seele lese, hört sich gut an und mir fällt noch spontan die Wendung ein „Sie oder er ist eine Seele von Mensch“; das sagen wir eigentlich nur über Menschen, die wir mögen, die wir lieben und die uns gut tun.
    Mit manchen Menschen wähnen wir uns auch seelen-verwandt.

    Schließlich ist da noch das Wort Seelsorger(in), vorwiegend bezeichnet man damit priesterliche Menschen, aber auch Menschen die einen Ausbidung in seelsorgerlichen Aufgaben gemacht haben, um die Priester zu entlasten in dieser zu tiefst not-wendenen Aufgabe.

    Wir alle sollten in Jesu Nachfolge seelsorgerliche Menschen sein, in Sorge befasst damit, was dem wesentlichen Inneren des Menschen des DU, des Gegenüber (Buber) gut tut, tröstet, mit-trägt und zu heilen vermag Seel-sorge, was für ein innhalts-gutes Wort, füllen wir es aus!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    B. R.-R.

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