Gott und der Mammon – zum Evangelium von heute 18.10.20

Die Pharisäer versuchen Jesus eine Falle zu stellen: „Sollen wir dem Kaiser Steuern zahlen oder nicht?“ (Mt 22,15ff) Wenn wir das heute lesen, verstehen wir die Falle nicht, weil wir in einem säkularisierten Staat leben – Trennung von Staat und Religion.

Diese für uns alltägliche Trennung kann in zwei Richtungen aufgehoben werden: Vor der Säkularisierung beherrschte in Europa das Christentum fast alles, einen eigenen „weltlichen“ Bereich gab es im Grunde nicht. Dieses Herrschaftsmonopol wurde von der Kirche durchaus genutzt und ausgenutzt, es ließ sich viel Geld damit machen. Es war ein mühsamer und langwieriger Prozess, bis sich weltliche Mächte etabliert und emanzipiert hatten. Bis dieser Prozess einer größeren Schicht der Bevölkerung zugute kam, dauerte es nochmal eine Weile. Und heute haben wir selbst in unseren demokratischen Strukturen keine soziale Gerechtigkeit.

Zur Zeit Jesu gab es seitens des Römischen Reiches ebenfalls eine Verschränkung von Staat und Religion. Nicht die Kirche war alles, der Kaiser war alles, er wurde als Gott verehrt. Staat und Religion waren nicht getrennt, sondern eins. Deswegen ist die Frage der Pharisäer eine Fangfrage: Wer dem Kaiser Steuern zahlt, akzeptiert sein Gott-Sein, begeht also Verrat am Gott Israels. Wer keine Steuern zahlt, kommt in den Knast, weil alle dem Kaiser Steuern zahlen müssen.

Wie entkommt Jesus dem gestellten Dilemma?

Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denár hin.
Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Jesus sagt: Der Kaiser ist nicht Gott. Deshalb könnt ihr ruhig Steuern zahlen. Er ruft nicht zum sinnlosen Widerstand der Steuerverweigerung auf, als Jude hatte man eh keine andere Wahl. Aber er entthront den Kaiser. Steuerzahlen heißt für ihn nicht, den Kaiser als Gott verehren. Er bleibt Kaiser.

Damit ist Jesus zum Kern des Problems vorgestoßen. Heute stecken wir in unserer Demokratie und in unserem säkularisierten Staat nicht mehr in diesen Problemen. Innerlich, psychisch, tragen wir aber alle an solchen „Überhöhungen“. Wir geben Dingen, Personen, Ereignissen oder Werten „göttlichen“ Charakter oder „göttliche“ Relevanz. Wir überhöhen sie völlig und tun so, als hinge von ihnen alles ab. Dazu passt das Wort Jesu: „Du kannst nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon.“ (Mt 6,24)

Beispiele mag ich hier nun nicht mehr aufführen, der Text ist schon lang genug. Aber jeder kann sich selbst beobachten, um welche Themen seine/ihre Gedanken oft kreisen. Worum machen wir uns Sorgen, vielleicht sogar ganz berechtigt? Vielleicht aber auch ganz überflüssig? Welche Gedanken und Gefühle beten wir an wie ein goldenes Kalb – d.h. dass sie permanent unsere Aufmerksamkeit einfordern?

In den Worten Jesu heißt das: Eure Gedanken sind Gedanken, – und eure Sorgen eure Sorgen. Eure Gefühle sind eure Gefühle. Nicht mehr und nicht weniger. Euch aber soll es zuerst um Gott und sein Reich gehen, alles andere wird euch geschenkt.

Springen wir ins Vertrauen?

Viele Grüße, Ruth Fehling

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