#meinGottdiskriminiertnicht

Meine Kirche schon.

Unter diesem Motto meldet sich seit einem halben Jahr eine Initiative junger Katholik*innen und katholischer Theolog*innen zu Wort. Sie legen die Finger in eine der kirchlichen Wunden: die vielschichtigen Ausgrenzungsstrategien. Ausgrenzungstrategien finden sich längst nicht bei allen Katholik*innen, aber leider auf allen Ebenen, vom Vatikan bis zum einzelnen Kirchenmitglied.

Z.B:

  • Die entwürdigenden Diskussionen um Homosexualität im kirchlichen Raum. Der Papst hat sich zum Glück in seiner neuesten Stellungnahme ein Herz gefasst und in einer Videobotschaft gesagt: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben. Sie sind Kinder Gottes. Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“ Immerhin. Dass das überhaupt noch betont werden muss und in den öffentlichen Kommentaren als „Kurskorrektur“ der katholischen Kirche wahrgenommen wird, wirft dennoch kein helles Licht auf diese. (Über queere Menschen wird soweit ich weiß noch nicht einmal diskutiert, so als gäbe es sie nicht … .)
  • Die entwürdigenden Diskussionen um das Priesteramt für die Frau.
  • Die Nichtzulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion. Die Nichtzulassung von Christ*innen anderer Konfessionen zur Kommunion.
  • (…)

Der Gipfel der argumentativen Schamlosigkeit ist, dass dies alles, wenn die eigenen Argumente ausgehen, mit dem Willen Gottes begründet wird. Weil Gott nicht will, können wir nicht anders. Oder: Weil Gott will, müssen wir so handeln.

Dazu lässt sich nur eines sagen: „Mein Gott diskriminiert nicht, meine Kirche schon.“ Wann begreifen wir, dass jede Form der Ausgrenzung nur der eigenen Selbstvergewisserung dient, einem Gefühl des Auserwählt-Seins oder der eigenen (Selbst)gerechtigkeit? Ausgrenzung unterteilt uns immer in bessere und schlechtere Menschen, gottgemäßere und weniger gottgemäße, in Sünder und Fromme.

Jesus hatte damit eigentlich Schluss gemacht.

Liebe Menschen von „MeinGottdiskriminiertnicht„: Herzlichen Glückwunsch zu eurer Initiative. Und bleibt bitte katholisch!

Ruth Fehling

Bildrechte: bei #Gottdiskrimiertnicht, die mir das Bild dankenswerterweise zur Verfügung gestellt haben.

Ps: In meiner Wahrnehmung wird zudem nicht hinreichend zwischen „Normalität“ und „Sünde“ unterschieden. Es gibt verschiedene Spielarten des Menschlichen: Heterosexualität, Bisexualität, Homosexualität und die sogenannten queeren Lebensformen. Das sind Spielarten des Menschlichen und diese haben mit Sünde überhaupt nichts zu tun. In kirchlichen Kontexten werden diese praktizierten Lebensformen (mal abgesehen von der ordentlich in einer katholisch Ehe gelebten Heterosexualität) jedoch viel zu oft unter der Kategorie „Sünde“ diskutiert. Dagegen wurden und werden andere praktizierte Lebensformen, z.B. Kindesmissbrauch durch Priester, die offensichtlich Leben zerstören und Sünde sind, unter den Teppich gekehrt. Scheinheiligkeit kennt keine Grenzen.

Ein Gedanke zu „#meinGottdiskriminiertnicht“

  1. Die katholische Kirche macht es mir wahrlich nicht leicht, an Gott zu glauben.
    Nur die Menschen um mich, die mir das vorleben, was Jesus gelehrt hat wie Toleranz, Güte, Liebe,… helfen mir dabei. Und Menschen, in denen mir Gott und Jesus begegnet sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


The maximum upload file size: 2 MB.
You can upload: image.