Verherrlicht Gott in eurem Leib

1 Kor 6, 13 ff Oder wisst ihr nicht,
dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist,
der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?
Ihr gehört nicht euch selbst;
denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden.
Verherrlicht also Gott in eurem Leib!

Die Lesung des Apostels Paulus vom aktuellen Wochenende hat es durchaus in sich. Sie hat, neben anderen Texten, eine lange Auslegungstradition, die die Menschen eher in die Irre als zum Heil geführt hat.

Sie finden den ganzen Text unten und hier möchte ich drei Fragen nachgehen: Was sagt dieser Text nicht? Und was sagt er uns tatsächlich? Und was würde ich selbst anders gewichten?

Der Text beginnt so: Der Leib ist nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib. Es geht also nicht um Sexualität allgemein, sondern um eine bestimmte Form, Sexualität auszuleben, die mit Unzucht gleichgesetzt wird. In der katholischen Lehre war lange Zeit so ziemlich alles Unzucht, was nicht in einer ordentlichen Ehe stattfand. Vermutlich wurde auch alles darunter gezählt, was mit Selbstbefriedigung zu tun hat. Vermutlich hat auch jede Form der homosexuellen Liebe dazu gezählt. Jeder Trieb, jede sexuelle Regung war unzuchtsverdächtig! Unendlich viele Menschen haben unter diesen Vorstellungen gelitten und, abgeschnitten von ihrer Sexualität, vermutlich eher nicht Gott in ihrem Leib verherrlicht.

Was ist mit Unzucht gemeint? Das griechische Wort ist porneia, zu deutsch Pornographie. Unzucht ist also jede Sexualität, die auf Kosten anderer gelebt wird, also alles, was mit Mißbrauch und Übergriffigkeit zu tun hat. Unzucht ist jede Sexualität, die den anderen erniedrigt oder bloßstellt – oder einen selbst. Ja, manche erniedrigen sich selbst, – vor lauter Sehnsucht, geliebt zu werden.

Ich glaube, so einen Tick leib-skeptisch war Paulus schon. Zumindest was das Begehren und die Lust anbetrifft. Askese war das Zauberwort.

Ich habe oben bewusst dieses Bild zu dem Zitat gestellt, die beiden gehören für mich zusammen, Zitat und Bild. In Anlehnung an den Paulusbrief würde ich es heute eher so fomulieren: Euer Leib ist Tempel des Heiligen Geistes. Gott wohnt in euch, in eurem ganzen Leib (nicht nur in eurem Kopf). Tut alles, um euren Leib zu lieben und zu pflegen, denn so verherrlicht ihr Gott. Seid gut zu eurem Leib und achtet auf seine Signale. Denn Gott wohnt in eurem Fleisch. Genießt eure Lust, eure Sinnlichkeit, eure Sehnsucht nach Haut an Haut. Wohnt in eurem Leib. Umarmt ihn in Liebe, gerade auch in seiner Armut und Schwäche. Und respektiert den Leib des anderen, des Geliebten, denn auch in ihm wohnt Gott.

Viele Grüße, Ruth Fehling

Schwestern und Brüder!

Der Leib ist nicht für die Unzucht da,
sondern für den Herrn
und der Herr für den Leib.
Gott hat den Herrn auferweckt;
er wird durch seine Macht auch uns auferwecken.
Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind?
Wer sich an den Herrn bindet,
ist ein Geist mit ihm.
Meidet die Unzucht!
Jede Sünde, die der Mensch tut,
bleibt außerhalb des Leibes.
Wer aber Unzucht treibt,
versündigt sich gegen den eigenen Leib.
Oder wisst ihr nicht,
dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist,
der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?
Ihr gehört nicht euch selbst;
denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden.
Verherrlicht also Gott in eurem Leib!

2 Gedanken zu „Verherrlicht Gott in eurem Leib“

  1. Liebe Ruth, ich möchte dir ganz herzlich danken für dieses Bild im Zusammenhang mit der Bibelstelle und deine mutigen Worte. Als ich das Foto mit der Überschrift gesehen habe, habe ich einen kleinen Moment inne gehalten und mich einfach gefreut. („Der Text…mit dem Bild…Oh wie schön!“) Das war wie ein kleines Stück „Heil werden“. Für diesen Moment danke ich dir von Herzen! Es wird sicherlich noch ganz lange dauern, bis die Wunden verheilt sind, die durch die lieb-lose Interpretation dieser Textstelle in den Herzen und Seelen so mancher entstanden sind. Und bis die körper-feindlichen Gedanken aus unseren Köpfen ganz raus sind. Da wurde einfach zu lange Lieblosigkeit gelebt. Zu lange Körperfeindlichkeit gedacht und gelebt. Ein großes Dankeschön an dich für diesen Schritt in die heilsame Richtung!

  2. Dank für die Auslegung dieses gewiss
    nicht leichten und oft mis-verstandenen und miss-brauchten Textes.
    Barbara R.-R.

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