„Im Haus voll Glorie stapeln sich die Leichenberge im Keller.“ (Lisa Kötter)

Sicher haben Sie in den Medien schon von der Krise in Köln gehört. Katholiken treten in Scharen aus, der Diözesanrat stellt sich in einer außerordentlichen Versammlung öffentlich gegen Bischof Woelki.

Die Kritik an der Kirche kommt nicht von außen. Sie kommt von innen, sie kommt von überzeugten und engagierten Katholiken, ja, und sie kommt auch von vielen Pfarrern. Hauptkritikpunkt ist das von Woelki in Auftrag gegebene Gutachten, das er nun selbst unter Verschluss hält.

In den öffentlichen Medien kann man folgendes lesen: „Woelki hat das Vertrauen nicht nur durch die Zurückhaltung des Gutachtens verspielt, er macht auch sonst Negativ-Schlagzeilen in Serie. Der Katholischen Hochschulgemeinde in Köln wurde die Website abgeschaltet, nachdem sie ein kritisches Papier veröffentlicht hatte. Einem Pfarrer, der Woelki scharf kritisiert hatte, drohte das Erzbistum mit Konsequenzen. Woelkis Weihbischof Ansgar Puff verglich die kritische Berichterstattung über Bischöfe mit den Fake News von Donald Trump und bemühte noch ein Goebbels-Zitat – als dies Empörung auslöste, entschuldigte er sich. Die Liste ließe sich fortsetzen. Derzeit sind beim Amtsgericht Köln alle Termine für Kirchenaustritte ausgebucht.“ (Den ganzen Artikel finden Sie hier.)

Die Initiatorinnen von Maria 2.0 (ebenfalls in Köln) haben einen offenen Brief an Papst Franziskus geschrieben. Sie bitten um eine Visitation, um die Mißstände in der Diözese Köln zu beheben und um Vertrauen wiederzugewinnen. In dem Brief schreiben sie:

„Im Mittelpunkt unserer christlichen Botschaft steht die Inkarnation Gottes in einem Kind. Wenn die Kirche nicht in der Lage ist, die wehrlosesten Geschöpfe zu schützen und sich aus der Verantwortung für deren Schicksal stiehlt, dann kann sie nicht mehr Heimat des göttlichen Kindes sein. Am Abend vor Ihrer Wahl zum Papst zitierten Sie einen Satz aus der Offenbarung: Christus steht an der Tür und klopft an. Und Sie ergänzten: Heute klopft jedoch Christus aus dem Inneren unserer Kirche an und möchte hinaus gehen. Im Erzbistum Köln hat er das gerade getan. Der Zerfall ist allgegenwärtig. Die Amtsgerichte sind wegen der hohen Zahl an Kirchenaustritten überlastet. Die Gemeinden sind erschöpft. Viele Seelsorger und Seelsorgerinnen wissen angesichts des massiven Glaubwürdigkeitsverlustes, den das Verhalten der verantwortlichen Amtsträger bewirkt hat, nicht mehr, was sie den Menschen sagen sollen. Die christliche Botschaft ist zu kostbar, als dass sie in Ränkespielen, moralischer Verantwortungslosigkeit und Dilettantismus verschüttet werden darf. Wir wenden uns an Sie, in Ihren Entscheidungen diese aussichtslose Situation zu bedenken. Wir wünschen uns eine Kirche, in der das Kind an erster Stelle steht. In der Menschen Schutz und Heilung erfahren.“

Von der Initiatorin von Maria 2.0 Lisa Kötter wird am 1. März ein Buch auf den Markt kommen: Schweigen war gestern. In der Buchbesprechung wird sie wie folgt zitiert:

„Auf einmal war plötzlich ganz klar, dass wir uns nicht mehr einrichten können in einer Kirche, die Menschen nicht schützt und achtet, sondern immer nur sich selbst. Im Haus voll Glorie stapeln sich die Leichenberge im Keller. Wir können nicht darüber hinwegsehen, dass so vieles zum Himmel stinkt. Wir haben eine Verantwortung. Es wird Zeit, die Glorie sein zu lassen und bei den Menschen anzukommen. Ihr Leid ernst zu nehmen und ihre Freuden. Ihre Trauer zu verstehen und ihre Lust zu achten. Bedürfnisse zu respektieren und die Freiheit hochzuhalten. Argumentiert wurde genug – seit Jahrzehnten. Es ist an der Zeit, weiterzugehen.
Für uns Frauen in der katholischen Kirche ist ein stillschweigender Austritt keine Option. Wir wollen für uns und für unsere heranwachsenden Kinder und Enkelkinder kämpfen. Für einen Weg, der es uns und auch den nachfolgenden Generationen nicht nur erträglich macht, sondern sogar Freude, in dieser Kirche zu bleiben! Weil es wieder um die Botschaft Jesu geht. Und wir darum wieder Heimat finden können in unserer Kirche.“

Die Stimmen ließen sich fortsetzen.

Mir ist gerade echt schlecht. In was für einer Institution arbeite ich eigentlich? Aber das ist mein kleines Problem. Es ist unbedeutend angesichts der vielen Menschen, die innerhalb der Kirche mißbraucht wurden (und werden), körperlich, seelisch und spirituell. Und ich bin fassungslos, dass die Kirchenleitung nicht wie die Menschen in Ninive in Sack und Asche geht, ihre Sünden bekennt und Buße tut.

Viele Grüße, Ruth Fehling

2 Gedanken zu „„Im Haus voll Glorie stapeln sich die Leichenberge im Keller.“ (Lisa Kötter)“

  1. Liebe Ruth Fehling,
    vielen Dank für die klaren Worte. Dem kann ich nur zustimmen!
    In mir keimt vermutlich noch die Hoffnung, dass die Proteste vielleicht doch gehört werden und sich an den Zuständen mit der Zeit etwas ändert …?!
    Ansonten bliebe nur noch, der Kirche als Institution den Rücken zuzuwenden…..?!

    Herzliche Grüße
    Regina Rittershofer

  2. Ich kann dem nur von ganzem Herzen zustimmen. Und ich kann es voll verstehen, dass Menschen deshalb unsere Kirche verlassen. Manches Mal bin ich erstaunt, dass es nicht noch viel mehr sind. Auch ich frage mich immer wieder, ob ich für diese Institution überhaupt noch arbeiten soll und möchte.
    Gott sei Dank gibt es – noch – viele Menschen in dieser Kirche, die anders sind, die ebenfalls an diesen Zuständen leiden und das auch laut aussprechen.
    Und ich finde, damit dürfen wir nicht aufhören. Schweigend austreten bewirkt – leider – nichts!

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