Freiheit und Zwang – zur Lesung vom 7. Februar

Die neutestamentliche Lesung (unten abgedruckt) vom Sonntag, den 7. Februar, ist durchaus überraschend. Paulus sagt: Ich muss das Evangelium verkünden, ich kann gar nicht anders. Es ist wie ein Zwang.

Wenn ich überlege, wo und wie Zwänge auf uns Menschen liegen, dann fallen mir andere Sachen ein: durch Netflix zappen, Gummibärchen, Alkohol, der Druck in der Arbeit. Die Frage: Was könnten denn die Nachbarn denken? Rollenmuster, die mich einzwängen, Masken, die ich nicht loswerde … .

Aber: ein Zwang, das Evangelium zu verkünden?

Das ist wirklich interessant. Und erinnert mich an ein Wort Jesu: Lasst alles los. Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen. Alles andere wird euch dazugeschenkt.

Kennen Sie so ein inneres „Müssen“, dass ihnen eigentlich keine Wahl lässt? Wenn Gott uns ruft, dann kann er sehr hartnäckig sein. Wo und wie ruft Sie Gott? Was wäre eigentlich dran in Ihrem Leben?

Wir leben in einer Zeit, die uns unendlich viele Freiheiten, Entfaltungsmöglichkeiten und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten bereithält. Das ist so, und wir leben diesbezüglich in der Luxusklasse. Trotzdem können wir diese Freiheiten nicht immer zum Guten nutzen. Das hängt damit zusammen, dass wir trotz allem in äußeren und inneren Zwängen stecken. Mit unseren eigenen Vorstellungen davon, wie unser Leben eigentlich sein müsste, wie wir selbst eigentlich sein müssten, drehen wir uns oft den Hahn ab und nehmen uns jegliche Lebenskraft.

Die Botschaft von Jesus ist: In ihm sind wir freigekauft und erlöst. Wenn wir uns an ihn binden, sind wir wahrhaftig frei. Uns darf es um das Reich Gottes gehen, alles andere wird uns geschenkt.

Herzliche Grüße und einen gesegneten Sonntag, Ruth

Ps: Hausaufgabe: Tun Sie heute etwas, das sie eigentlich nicht tun dürfen/können/sollen. Achtung: Das ist keine Aufforderung zum Raubüberfall. Es sollte Liebe drin stecken.

1 Kor 9

Schwestern und Brüder!
16Wenn ich das Evangelium verkünde,
gebührt mir deswegen kein Ruhm;
denn ein Zwang liegt auf mir.
Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!
17Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn.
Wenn es mir aber nicht freisteht,
so ist es ein Dienst, der mir anvertraut wurde.
18Was ist nun mein Lohn?
Dass ich unentgeltlich verkünde
und so das Evangelium bringe
und keinen Gebrauch von meinem Anrecht
aus dem Evangelium mache.
19Obwohl ich also von niemandem abhängig bin,
habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht,
um möglichst viele zu gewinnen.
22Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden,
um die Schwachen zu gewinnen.
Allen bin ich alles geworden,
um auf jeden Fall einige zu retten.
23Alles aber tue ich um des Evangeliums willen,
um an seiner Verheißung teilzuhaben.

2 Gedanken zu „Freiheit und Zwang – zur Lesung vom 7. Februar“

  1. Danke für den Abdruck der Paulus Lesung, wirklich echt interessant, was Paulus da am Anfang sagt, Paulus ist ja immer etwas dramatisch, er hat aber meiner Meinung nach recht, und das Müssen ist eigentlich kein negatives Müssen, sondern für mich heißt Evangelium ver- künden, die Frohe Botschaft von Jesus zu verkünden, besonders auch im Sinne sie zu leben.
    Seine Botschaft ist L I E B E und das heißt Wohltun, Wohl-Wollen meinem Gegnüber und mir, Paulus kann einfach gar nicht anders.
    Und der Text ist wirklich nachdenkenswert:
    Was heißt „Allen alles, den Schwachen ein Schwacher zu sein, den Starken stark zu sein“, höchst austausch- würdig!

    Liebe Grüße und eine gesegnete Woche,
    B. R.-R.

  2. Ja, ich will.
    Ja, ich will in aller Freiheit
    an seiner Verheißung teilhaben.

    Es drängt mich,
    Etwas zwingt mich.
    Ich kann gar nicht anders.

    Wie ein heiliger Zwang.

    Ich werde bewegt,
    mich auf andere zuzubewegen.
    Obwohl das nicht mein Plan war.

    Ich rede plötzlich,
    wo ich doch schweigen wollte
    und umgekehrt.

    Da ist auf einmal Kraft,
    wo vorher Schwachheit war.

    Mein Ja zu dir
    bringt Ver-Wandlung.

    Wo vorher Schmerz
    und Verletzung war,
    wird ein Verzeihen
    und aufeinander zugehen.

    Ich hätte es kaum
    für möglich gehalten.

    Ja, du befähigst uns
    aus jeglichem Zwang
    und aus der Knechtschaft
    herauszutreten.

    Zur Wirksamkeit befreit,
    werden uns alle Dinge
    zum Besten dienen.

    Amen.

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