Rote Karte für den Vatikan

Ich könnte, Entschuldigung, kotzen. Die Kirche hat sich mal wieder zum Thema Homosexualität geäußert, leider äußerst diskriminierend. Den Wortlaut finden Sie unten im Artikel der BNN.

Dazu sage ich:

  • Rote Karte für den Vatikan. Platzverweis. Im Fußball müssen solche Player raus, auf die Bank.
  • „Mein Gott diskriminiert nicht, meine Kirche schon.“
  • Es gibt Kleriker im Vatikan, die selbst homosexuell sind. Zum Teil praktizieren sie auch ihre Sexualität. Und nach außen hin wird das Leben in einer homosexuellen Beziehung zur Sünde erklärt. Das ist Doppelmoral, das ist scheinheilig und krank.
  • Wir segnen Wohnungen, Autos, Fahrstühle, unzählige Rosenkränze, Feuerwehrhäuser, kurz Gegenstände aller Art usw. und sollen zwei Menschen, die in Liebe füreinander Verantwortung übernehmen und sich treu sein wollen, nicht den Segen Gottes zusprechen?

Liebe Homosexuelle in unserer Kirchengemeinde, uns tut das sehr leid.

Lasst euch die Schönheit und Würde Eurer Sexualität, Eurer Beziehung und Eurer Liebe nicht nehmen. Nicht von dieser Kirche, nicht vom Vatikan. Ihr seid von Gott schon längst Gesegnete.

In Verbundenheit, Ruth Fehling, Thomas Ries, Gabriele Scholz, Ursula Seifert und Torsten Ret

Ps: Hier, bei uns, segnen wir auch weiterhin homosexuelle Paare. Wir segnen ebenfalls wiederverheiratet Geschiedene und Unverheiratete. Kommen Sie bitte einfach auf uns zu.

PPs: Eine Stellungnahme von Theologen und Priestern finden Sie hier.

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Aus der BNN vom 16.03.21

Vatikan lehnt ab
Segnungen homosexueller Paare nicht möglich

Rom (dpa). Die katholische Kirche ist nach eigener Einschätzung nicht befugt, homosexuelle Paare zu segnen. Das hat die Glaubenskongregation im Vatikan am Montag in einer sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) klargestellt. Papst Franziskus stimmte der Veröffentlichung zu. Hintergrund ist demnach, dass sich in einigen kirchlichen Bereichen „Projekte und Vorschläge“ verbreiten, Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts zu segnen.

Segnungen menschlicher Beziehungen sind dem Schreiben zufolge nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient werde. „Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (..) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist.“

Die Glaubenskongregation wies darauf hin, dass sich ihre Erklärung auf „die Wahrheit des liturgischen Ritus“ bezieht und keine Diskriminierung ist oder sein soll. Außerdem könne einzelnen Menschen mit homosexuellen Neigungen der Segen durchaus gespendet werden. Unzulässig sei aber jede Segnungsform, die eine homosexuelle Partnerschaft anerkennt. Die christliche Gemeinde sei dazu aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren. Hierzulande fordert unter anderem das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), Liebesbeziehungen von Homosexuellen zu segnen. In der evangelischen Kirche sind solche Segnungen schon weit verbreitet, vielerorts gibt es auch kirchliche Trauungen.

13 Gedanken zu „Rote Karte für den Vatikan“

  1. Gut, dass es Seelsorger gibt, die nicht einfach alles hinnehmen sondern Klartext reden.
    Gut, dass es inzwischen auch Bischöfe gibt, die klar Stellung gegen solche Ausgrenzungen beziehen. Es könnten nach meinem Geschmack mehr sein, die sich hier zu Wort melden.
    Gut, dass immer noch Katholikinnen und Katholiken in dieser Kirche bleiben, obwohl sie es uns immer schwerer macht. Ich finde, es ist schon lang nicht mehr vergnügungssteuerpflichtig in dieser katholischen Kirche zu bleiben.
    Gut, dass wir in unserer Kirchengemeinde versuchen einen Geist zu leben, der niemanden ausgrenzt und ich bete, dass das auch so bleibt.
    Gut, dass hier so viele ganz unterschiedliche Menschen sich darüber einig sind, eine Haltung, so wie sie uns Rom in dieser „Antwort auf Zweifel“ vorstellt bzw. vorschreiben will, das geht gar nicht!
    Ich schließe mich Werner Eberhardt gerne an: wir brauchen eine andere Glaubenskongregation!

  2. Danke für den Text,

    Das Thema ist zu vielschichtig, zu viele verschiedene Menschen-gruppen sind betroffen in alle Richtungen, so dass ich kommentarlos -manchmal wird mir da zu einseitig in eine
    Richtung gesprochen- nur so viel sage:
    Segen ist für alle Menschen da , Segen heißt bene dicere, d.h. jemanden Gutes zusprechen, Gottes Beistand,… das Gegenteil ist male dicere, vermaledeien, und das steht uns nicht zu.
    Und was Gottes Pläne betrifft, die kennt keiner, aber auch wirklich keiner, zu viele haben das schon gemeint, aber das ist noch mal ganz was Anderes.
    LG,
    Barbara Ring-Rohr

  3. Lieber Papst Franziskus,

    Du bist unser Oberhirte,

    Du liebst besonders die wunderbare Schöpfung
    mit ihren Vögeln am Himmel
    und ihren Tieren und Pflanzen.
    Dafür will ich dir danken.
    Es ist einfach beruhigend für mich, zu wissen,
    du bist da und achtest auf mich.
    Du sorgst dafür, dass ich immer genügend zu grasen bekomme
    auf einer schönen saftigen Wiese.
    Du achtest auf mich und hast auch auch an meinen Durst gedacht,
    den ich an diesem wunderschönen Bach stillen kann.
    Wenn die Sonne zu sehr brennt,
    kann ich unter den schönen Obstbäumen verweilen
    und wenn ein knackiger Apfel herunterfällt,
    diesen mit Genuss fressen.

    Es ist einfach wunderschön hier zusammen zu sein,
    mit all den anderen Schafen.
    Ich fühle mich sicher mit dir als unseren Oberhirten und deinen
    tierischen Gehilfen.

    Aber eine Sorge habe ich doch.
    Außer den tierischen Gehilfen, hast du auch noch andere Hirten,
    die für die verschiedenen Schafherden sorgen sollen.
    Da gibt es Hirten, die wirklich bei uns Schafen unbeliebt sind.
    Ich kann das gar nicht so richtig erklären, verstehen tue ich es
    schon gar nicht.
    Es kam schon mehrfach vor, selbst erlebt oder von anderen Schafen erzählt bekommen, dass diese Hirten,
    die dein Vertrauen genießen, sich komisch verhalten.
    Sie führen sich manchmal auf wie Leithammel, die im Umgang
    mit uns gewöhnlichen Schafen,
    nicht gerade zärtlich und barmherzig sind.
    Sie sprechen von Vollmacht, die sie haben,
    um unsere Vergehen zu vergeben.
    Außerdem machen sie Unterschiede zwischen Schafen und Schafen
    und sagen, dass müsse so sein,
    das sei die göttliche Ordnung.

    Lieber Oberhirte Franziskus,
    von dem allem verstehe ich nichts.
    Aber ich vertraue darauf, dass Du, der uns alle Schafe gleich liebt,
    egal ob weiß, schwarz, braun, dick, dünn, klug oder dumm,
    dich weiter liebevoll um uns alle kümmerst.
    Uns suchst, wenn wir uns verirrt haben.
    Uns auf deine Schultern nimmst, wenn wir zu schwach sind.
    Uns Zugang verschaffst, zu deinen saftigen Wiesen und Quellen
    und wir bei dir geborgen sein dürfen an diesem Ort für lange Zeit.

    Vielen Dank.
    Mit mähhhh-lichen Grüßen
    Schaf

  4. Liebe Frau Fehling, liebe hauptamtlichen Mitarbeiter,
    Vielen Dank für die klaren und mutigen Worte und die Zusage, dass Sie selbstverständlich homosexuelle Paare, wiederverheiratet Geschiedene und Unverheiratete segnen werden! Warum auch nicht?!
    Ich kann jeden verstehen, der nach solchen Aussagen des Vatikans der katholischen Kirche den Rücken kehrt. Als ich den Artikel gelesen hatte, stellte ich mir durchaus die Frage, wie lange ich dies noch mittragen und mich offiziell zu solch einer Kirche bekennen kann….?!
    Ich bleibe bisher in der katholischen Kirche, da ich zum Glück immer wieder Menschen an der Basis kennen lernen durfte, die mich auf meinem Glaubensweg unterstützt und begleitet haben und die wiederum ihren Glauben authentisch leben. So freut es mich, diese Unterstützung und Offenheit auch weiterhin in der Pfarrgemeinde Waldbronn- Karlsbad zu erleben!
    Herzliche Grüße
    Regina Rittershofer

  5. Liebe Homosexuelle, liebe Missbrauchte, liebe in neuen Beziehungen Lebende, liebe aus anderen Gründen von Verantwortungsträgern in meiner Kirche Verletzten und Ausgegrenzten: Der Gott, mit dem wir leben, verurteilt euch nicht, mich nicht, niemanden. Er liebt, heilt, richtet auf, er verbindet, macht lebendig und lässt sich sicher nicht von Rom vorschreiben, wen er segnen will!
    Mir ist auch schlecht, seit ich die unsäglichen Nachrichten aus Rom gelesen habe. Doch ich weiß, dass ich mich mit dieser Befindlichkeit in guter Gesellschaft befinde. Das ermutigt mich, weiterhin das andere (wahre) Gesicht meiner Kirche zu leben. Mit vielen tollen Menschen guten Willens.
    Liebe Leute, was immer euch bewegt und falls Ihr Menschen sucht, die das Wesen und die Botschaft Jesu wirklich leben, dann traut der Einladung von Dr. Ruth Fehling und Pfarrer Torsten Ret. Ihr seid gut aufgehoben bei zwei wahrhaft authentischen Christ*innen!

  6. Liebe Ruth, lieber Herr Ret,
    vielen Dank für Ihre klare Stellungnahme und dafür, dass Sie beide es mir und auch anderen Gemeindemitgliedern es weiterhin noch möglich machen, katholisch zu sein und damit den eigenen Glauben lebendig zu leben! Allmählich muss man sich ja fast nur noch schämen, dass man dieser Institution weiterhin Kirchensteuern zukommen lässt. Es ist unerträglich, wieviel Leid unsere Kirche immer wieder angeblich im Namen Gottes anderen Menschen zufügt. Zwischen dem, was Christus uns vorgelebt hat und dem, was Kirche immer wieder vorlebt, ist für mich ein riesiger Graben entstanden und ich kann es einfach nicht fassen, dass es ernsthaft Menschen gibt, die sich dieser Irrwege nicht bewusst sind.
    Ich bin einfach sehr froh, dass meine Seele den Weg in Ihre Gemeinde gefunden hat. Seither hat sie eine Heimat gefunden, wo sie von Gottesdienst zu Gottesdienst, von Glaubenskurs zu Glaubenskurs, von Glaubensbegegnung zu Glaubensbegegnung lebendiger geworden ist. Das erfüllt mich mit einer großen Freude! Die Kraft des Heiligen Geistes wirkt in dieser Oase, weit weg von Rom!
    Ich möchte auch allen Glaubensschwestern und -brüdern dieser Gemeinde danken, die dieses Licht weiter am Leben erhalten, nur in einer Gemeinschaft wie dieser kann man Glaube so lebendig und intensiv leben, alleine zuhause wäre das schwierig. Darum werde ich auch weiterhin mutig sagen „Ich bin katholisch.“ und gleich danach erzähle ich immer wieder von Ihnen beiden und Ihrer Gemeinde und von dem, was ich hier erfahren durfte und hoffentlich noch lange darf und was das mit mir und meinem Leben gemacht hat.
    Denn „Katholisch Sein“ bedeutet nicht automatisch, Missbrauch vertuschen zu wollen.
    „Katholisch Sein“ bedeutet auch nicht, gegen Homosexualität zu sein, oder gar homosexuellen Paaren den Segen zu verweigern.
    „Katholisch Sein“ bedeutet auch nicht, körperfeindlich, altmodisch und verstaubt zu sein, gegen Sexualität vor der Ehe zu sein….
    „Katholisch Sein“ bedeutet zum Beispiel in Langensteinbach einen Gottesdienst zu erleben, in dem Ruth Fehling predigt und Alexandra und Sandra die Lesungen auf eine Weise lesen, dass das Herz zutiefst berührt wird und tief im Inneren zu spüren: Dir nachzufolgen ist möglich, HERR! Hier und Jetzt! DANKE, dass ich das erleben darf!
    Christiane Huth

  7. Ich finde , dass wir es nicht zulassen dürfen, dass die Glaubenskongregation so pauschal über Menschen urteilt.

    Welches Leid wird hier unseren Schwestern und Brüdern angetan und warum? Was berechtigt oder bewegt die Mitglieder der Glaubenskongregation dazu? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der „eigene Schatten“ dabei eine Rolle spielt. Hat uns Jesus nicht zurecht darauf hingewiesen, dass wir zuerst uns selbst auf unsere Sünden prüfen sollten, bevor wir den ersten Stein werfen? (Joh 8,7).

    Hier ist ziviler gläubiger Ungehorsam angesagt und ich habe allerhöchste Hochachtung vor der mutigen Stellungnahme von Ruth Fehling und Pfarrer Ret. Ich bin glücklich einen Ort der Begegnung im Glauben wie die Kirchengemeinde Waldbronn-Karlsbad zu haben. Ich bin unendlich dankbar für die Gemeinde insbesondere auch die liebens- und segenswürdigen gleichgeschlechtlichen Paare. Es ist Zeit für eine Veränderung der Kirche. Austritt ist keine Option. Wir brauchen eine andere Glaubenskongregation.

    Werner Eberhardt

  8. Antje
    Mir fällt dazu spontan der Auftrag Jesu ein: Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet.
    Wer bin ich, dass ich sagen kann, wem Gottes Gnade gilt?
    Ich bin in erster Linie Gottes geliebtes Kind. Nicht mehr und nicht weniger und das gilt allen gleich. Ich will ein Teil unsrer Kirche sein, um diese Liebe in die Welt zu tragen.

  9. Bei Tagesschau.de wurde gestern gemeldet: „Die katholische Kirche lehnt die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausdrücklich ab. Gott „kann Sünde nicht segnen“, heißt es in einer formalen Antwort der vatikanischen Glaubenskongregation auf die Frage, ob Geistliche gleichgeschlechtlichen Partnerschaften den Segen zusprechen könnten.“
    Da kommen mir doch Fragen auf:
    1. Welcher Mensch weiß, was Gott kann und was nicht??
    2. Welcher Mensch weiß, was Gott als Sünde erachtet?
    3. Gefällt es Gott, dass Geistliche, die schutzbefohlene missbraucht haben, andere Segnen und eucharistische Messen feiern? Und dass diese von oberster Kirchenführung (Vatikan, Kardinäle und Bischöfe) gedeckt wurden und
    vielleicht immernoch gedeckt werden (Warum z.B. veröffentlicht Kardinal Wölki nicht endlich das Gutachten???)?
    Segnen heißt jemanden etwas Gutes zusprechen. Ich glaube nicht, dass Gott diesen Zuspruch einem Menschen verwehrt.
    Solche Aussagen vom Vatikan machen mich wütend und traurig.

  10. Auch ich stand in meinem Leben mehrfach kurz davor aus der Kirche auszutreten. Letztlich habe ich aber ganz tief in mir gespürt, dass ich damit nicht die Kirche, geschweige denn Rom treffe, die mich so wie ich bin, nicht akzeptieren können, sondern mich selbst treffen und abschneiden würde von der tiefsten und einzigartigen Quelle meines Lebens, der Eucharistie und den Gottesdiensten, in denen ich IHM so tief begegnen kann. Gott liebt mich, jeden Einzelnen und sehnt sich nach unserem Ja und ER hat immer die Minderheiten, die Aussätzigen, die am Rand standen angeschaut voller Zärtlichkeit. In der Gewissheit, dass ER mich liebt, in SEINEM Blick kann ich in dieser Kirche und mit dieser Kirche hoffentlich weiter sein und wachsen. Sie ist mir durch die Menschen, die so wie Ruth Fehling mutig und offen den Finger in die Wunde legen, auch Heimat. Dafür bin ich sehr dankbar.

    1. Das sehe ich so wie S.Z.: Austreten ist für mich keine Lösung. Da würde ich ja meine Heimat verlieren. Die Menschen vor Ort sind für mich Kirche. Der Vatikan ist weit weg, die Kirche vor Ort ist meine Heimat. Und nur wenn ich ihr verbunden bleibe, habe ich auch die Möglichkeit, durch beharrte Kritik und Widerstand vielleicht irgendwann einmal etwas zu bewegen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nur Kritik und Widerstand aus den eigenen Reihen wird vielleicht irgendwann gehört.
      Vielen Dank an Ruth und Pfarrer Ret für die offenen Worte.

  11. Liebe Frau Fehling.
    Sehr mutig und ehrlich, Ihre Eingabe. Sie schimpfen mir aus der Seele!
    Die ständigen Rückschläge aus Rom bestätigen meinem Mann und mir das Ausscheiden aus der kath. Kirche.
    Schade…
    Elke Heumann und Gatte Georg
    (Wiederverheiratete Geschiedene)

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