Mobil ohne Auto – Aktionstag am 20. Juni

Am 20. Juni ist der Aktionstag „Mobil ohne Auto“. Also eine passende Gelegenheit, das Auto stehen zu lassen. Aber wie weit kommt man dann? Bis zum Bäcker sicherlich, in die Kirche wird es auch noch reichen. Wer an den Eblesee zum Baden gehen will, kommt wohl auch noch zurecht. Dort winkt dann auch die Belohnung, dass man keine Parkplatzgebühren zahlen muss – sofern überhaupt ein Parkplatz frei ist.

Zum Autofahren gehört natürlich auch das Thema Stau. Solche Erfahrungen wie hier auf dem Bild kennen wir alle. Das Mobilitätsversprechen, das mit dem Auto verbunden ist, wird längst nicht immer eingehalten. Die Freiheit des Autofahrens reicht immer nur bis zum nächsten Stau. Jedes Mal, wenn wir mit der Familie über den Fernpass und den Brenner in die südlichen Alpen fahren, denke ich: Das nächste mal wirklich mit dem Zug! Vielleicht machen wir es diesen Sommer tatsächlich.

„Mobil zu sein ohne Auto“, oder ohne eigenes Auto (ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass wir als Kirchengemeinde Mitglied bei Stadtmobil sind und über uns beliebige Stadtmobil-Autos ausgeliehen werden können -> Kontakt Pfarrbüro Reichenbach …), also: Mobil zu sein ohne Auto wirkt vor allem deshalb unerreichbar, weil die meisten von uns es nicht mehr gewohnt sind. Der Sonntag wäre ein guter Tag, es auszuprobieren.

Eine nachhaltige Mobilität wird intensiv diskutiert. In meinen Augen wäre sie politisch umsetzbar, wenn die Weichen anders gestellt würden. Nach wie vor wird der Individualverkehr mit dem Auto in großem Umfang subventioniert. Das muss wirklich ein Ende haben. Sowohl die Herstellung eines Autos, die Verschrottung desselben, aber auch der Straßenbau und die Straßenpflege verschlingen Milliarden. Die meisten Kosten sind verdeckt und werden unter der Hand auf alle umgelegt, ob sie nun Auto fahren oder nicht.

Ich meine hier nicht die Kosten wie Benzin oder Autoreperaturen. Die gehen natürlich über den eigenen Geldbeutel. Ich meine hier die sogenannten Folgekosten: die Verkehrsinfrastruktur, Lichtsingale, Winterdienste, Straßenreinigung, Straßenbeleuchtung, Straßenbau und Instandhaltung. Es geht auch im Kosten, die durch Luftverschmutzung, Klimaschäden, Lärm und Unfälle entstehen. Die Heinrich-Böll-Stiftung bespricht eine Studie, die diese realen Kosten aufdeckt. Ein Beispiel: Der innerstädtische Verkehr kostet die Kommunen zwischen 28 und 56 Cent pro gefahrenen LKW-Kilometer, der PKW- Verkehr kostet die Kommunen zwischen 6 und 13 Cent pro gefahrenem Kilometer. So hoch müsste also eine City Maut sein, wenn diejenigen die Kosten bezahlen, die sich verursachen (bzw. die Infrastruktur nutzen).

Die aktuelle Politik übernimmt diese Kosten stillschweigend und legt sie auf die Allgemeinheit um. Das ist nicht fair, und ökologisch ist es sowieso nicht. Die politischen Steuerungselemente müssen so gestaltet sein, dass Herstellungs,- Wartungs- und Folgekosten auf die Verursacher und die Nutzer umgelegt werden, – und nicht mehr einfach auf alle. Die politschen Steuerungselemente müssen so gestaltet sein, dass es sich finanziell lohnt, nachhaltig zu handeln.

Der Tag morgen wäre eine gute Möglichkeit, das auszuprobieren: Wir können uns auch nachhaltig verhalten, bevor die Politik dieses Verhalten belohnt. Wer wie ich viel Fahrrad fährt, ist schon längst auf den Geschmack gekommen: ich kann hier meine Leidenschaft für`s Fahrradfahren mit frischer Luft, Sport und nachhaltigem Handeln verbinden. Warum also noch Auto fahren? Naja, Nachts fahre ich lieber Auto, aber das ist wohl nachvollziehbar.

Herzliche Grüße, – und viele gute Gründe das Auto morgen stehen zu lassen,

Ruth Fehling

Ein Gedanke zu „Mobil ohne Auto – Aktionstag am 20. Juni“

  1. Vor nunmehr fast 4 Jahren habe ich mit Beginn meines Ruhestandes mein Auto verkauft und komme seither bestens mit Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln und gelegentlich als Mitfahrerin durchs Leben. Es gab noch keinen Moment, an dem ich mein Auto vermisst hätte. Man muss sich halt einfach darauf einlassen, zu planen, Zeit einzurechnen und sich zu nehmen. Belohnt wird man mit deutlich weniger Stress, den das Autofahren auf vollen Straßen verursacht. Ich tue so etwas für die Umwelt, meinen Geldbeutel und ganz besonders für meine Gesundheit.

    Zum Nachdenken ein kleines Rechenbeispiel für den Weg Spielberg – Karlsruhe Karstadt:
    Mit dem Auto: Fahrt: 30 min, Parkplatzsuche 12 min., Weg ins Kaufhaus 5 min. = 47 min
    Mit dem Fahrrad: Fahrt: 55 min. (mit Pedelec 50 min.), parken direkt vor dem Eingang, Weg ins Kaufhaus: 1 min. = 56 min (mit Pedelec 51 min.)

    Und was die Kosten für die Infrastruktur angeht: da bin ich ganz Ruths Meinung.

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