Hl. Petrus und hl. Paulus, Apostel 29. Juni

Impulsgedanken von Alexandra Kunz

Sicher kennen Sie das Lied: „Die Sache Jesu braucht Begeisterte, sein Geist sucht sie auch unter uns. Er macht uns frei, damit wir einander befrein.“

Die Heiligen, die ich hier vorstellen möchte, waren „Begeisterte für die Sache Jesu“, sie waren Menschen, die sich in ihrer jeweiligen Zeit zu ihrem Glauben an den dreifaltigen Gott bekannten und Christsein vorgelebt haben. Trotz ihrer Schwachheit und ihres Versagens können sie auch uns heute besonders in ihrer Beziehung zu Gott Vorbild sein.

Die bekanntesten Apostel und Heilige Petrus und Paulus sind starke, zum Teil gegensätzliche Führungspersönlichkeiten. Beide sind Juden, doch während Petrus als einfacher Fischer im Kernland Israels lebt, stammt Paulus aus gebildeter Schicht in der jüdischen Diaspora, ist römischer Bürger und mit der griechischen Kultur vertraut. Im Unterschied zu Petrus bleibt er unverheiratet. Petrus gilt als der Erste der Apostel, Paulus ist gewissermaßen der Letzte, der Fremde, da er erst in der nachösterlichen Zeit zum Kreis der Zwölf stößt.
Die unterschiedliche Herkunft der beiden prägt ihre jeweilige Sendung als Apostel.
„Petrus hat als erster den Glauben an Christus bekannt und aus Israels heiligem Rest die erste Kirche gesammelt. Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht und die Berufung zum Lehrer der Heiden.” (Präfation des Festtages)
Beide repräsentieren die Kirche der Anfänge, die um ihre Identität und Ausrichtung ringt, was nicht immer ohne Konflikte von statten geht (Gal 2,11), etwa in der Frage, ob nichtjüdische Christen („Heiden”) sich dem jüdischen Gesetz zu unterziehen haben. Die beiden Apostel zeigen, dass die Kirche Unterschiede, ja Gegensätze aushält. Für die Einheit der Kirche war es jedoch wichtig, das Gemeinsame der beiden hervorzuheben und sie am selben Tag zu feiern.

Was mir beide sympathisch macht ist, dass sie sich ihrer Schwächen und ihres Kleinseins bewusst sind. Als „gefallene Männer“ erleben sie das Scheitern ihrer Vorstellungen und Absichten, was zu einem Bruch in ihrem Leben führt.
Petrus, der von Anfang an Feuer und Flamme für Jesus ist und Anführer der Zwölf wird, erkennt seine Schwäche, seine Ängstlichkeit, seine Feigheit und schämt sich seines Verrates (Mt 26,69-75 u.a.). aber auf die Frage Jesus: Liebst du mich? Antwortet er mit einem traurigen und beschämten: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe! (Joh21,17)
Beide sind Eiferer für die Sache des Glaubens. Was Paulus dazu veranlasst, leidenschaftlich den jüdischen Glauben zu verteidigen und die Christen bis aufs Blut zu verfolgen, bis ihn seine  Christusbegegnung in Damaskus „vom hohen Ross” herunter holt (vgl. etwa Apg 22,6-11).
Diese Begegnung verändert fortan sein Leben, er wird zum „Eiferer“ Christi. „Wenn ich schwach bin, bin ich stark.“ Sein Damaskus-Erlebnis bewirkt eine radikale Umkehr, er wird  zum Begeisterten für die Sache Jesu. Die Botschaft Christi zu verkünden und die Hingabe seines ganzen Lebens für Christus und für die anderen wird fortan sein Lebensinhalt. Er wird allen alles, ohne sich zu schonen, genau das ist es, was ihn glaubwürdig macht und die Kirche aufgebaut hat (Papst Franziskus). Bei aller Unterschiedlichkeit zu Petrus achtet er aber dessen Primat („Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“, Mt 16,18).

Petrus und Paulus waren sich in Glaubensfragen und bezüglich des Fortbestands der christlichen Glaubensgemeinschaft nicht immer einig. Petrus verlangte auch von den griechischen Christen, dass sie sich an alle jüdischen Gesetze halten sollten. Paulus hingegen sah das Christentum immer mehr abgekoppelt vom jüdischen Glauben. Sie gerieten des Öfteren wegen ihrer unterschiedlichen Anschauungsweisen aneinander. (Vgl. Apg15 und Gal 2) Dennoch begegneten sie sich immer in Liebe und Freundschaft. Jeder war auf seine Art von Bedeutung für den Fortbestand und die Entwicklung des Christentums. Beide erkennen, dass sie auf die Zuwendung Gottes angewiesen sind. An die Stelle des zwanghaften Strebens nach Erfolg tritt die Freiheit der unverdienten Güte Gottes, anstelle des Herrschens das Dienen. Mit Blick auf diese Erfahrungen betet die Kirche im Gabengebet der Festtagsmesse: „Wenn wir auf unsere eigene Leistung schauen und den Mut verlieren, dann lass uns auf dein Erbarmen hoffen, das sich an den Aposteln machtvoll erwiesen hat.”

„Die Sache Jesu braucht Begeisterte, sein Geist sucht sie auch unter uns. Er macht uns frei, damit wir einander befrein.“
Vertrauen wir auf Gottes Hl. Geist, der SEINE Kirche durch alle Krisen führt und leitet und sich unserer Schwachheit annimmt.

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,18).Herr, du weißt, dass ich dich liebe!“ (Joh21,17)

2 Gedanken zu „Hl. Petrus und hl. Paulus, Apostel 29. Juni“

  1. Lieben Dank, Alexandra, für diesen Text, der sich den beiden doch unterschiedlichen Begeisterten für Jesu sache in großer Wertschätzung zuwendet.
    Zu meiner Kindheit wurde dieser Tag in unserer Familie festlich begangen, und ich meine zu wissen, dass dieser Tag lange Zeit schulfrei war, und in meiner Region (Bruchsal,…) lockte dann auch das Peter und Paul-Fest in Bretten, bei meist sehr heißem Wetter und Unwetter-Gefahr.
    Die Textstellen sind schön ausgewählt und geben uns einen guten Einblick in das Leben und Wirken von Petrus und Paulus.
    Denke in manchem von uns steckt eher ein Petrus, in anderen eher ein Paulus und bisweilen haben wir Anteil an beiden.
    Nochmals Danke,
    Barbara (Ring-Rohr)

    1. „…bei meist sehr heißem Wetter und Unwetter-Gefahr.“
      Oh ja, einmal war ich vor vielen Jahren mit zwei meiner Kinder (damals 9 und 12 Jahre alt) beim Peter und Paul Fest, bin extra aus Umweltgründen mit der Straßenbahn gefahren und kam dann wegen Totalausfall des Stellwerks bei heftigem Gewitter glücklich von Gott beschützt um 3 Uhr Nachts wieder heim. Ein echtes Abenteuer.

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