3. Juli – Tag des Ungehorsams

Ungehorsam – das klingt in unserem christlichen Kontext eher negativ. Loyalität, Gehorsam oder Harmonie sind hier die bevorzugten Werte.

Und doch entdecken wir gerade in unserer Kirche, dass Ungehorsam durchaus angebracht sein kann.

Ja, die Schäfchen werden ungehorsam. Sie schlucken nicht mehr alles, sie blöken nicht einfach nur, – und sie trauen den Hirten nicht mehr blind.

Angesichts der aktuellen kirchlichen Abgründe wird die Untugend des Ungehorsams durchaus zur Tugend. Sie deckt die Gräben auf, die schon längst da sind und sie stellt sich auf die Seite Entrechteter und Entwürdigter aller Art.

Gehorsam kommt vielen von uns altbacken vor. Gehorsam wird verbunden mit Unterwürfigkeit, autoritären Strukturen, wenig eigenem Denken – blindem Folgen. Gehorsam entmündigt den Menschen, so eine vielfach gemachte Erfahrung. Schade eigentlich, es müsste nicht so sein. Aber die Strukturen, die Gehorsam hoch bewerten und herausgebildet haben, sind leider oft autoritär und hierarchisch.

Der tiefere Sinn von „Gehorsam“ ist ein „hören auf …“ . Dahinter steckt die Erfahrung, dass ich nicht immer selbst wissen kann und muss, welches der gute und richtige nächste Schritt ist. Wir Christen versuchen dann auf Gott zu hören – und tragen durchaus die Sehnsucht in uns, so zu handeln und entscheiden, dass es seinem Willen entspricht. Im Wissen darum, dass Gott größer ist als unser kleiner Verstand, können Strukturen sinnvoll sein, die dies auch zwischenmenschlich abbilden. In Klöstern ist es z.B. üblich, dass Ordensmitglieder nicht selbst entscheiden, wohin sie gehen und in welcher Arbeit sie eingesetzt werden. Dies entscheidet ihr Vorgesetzter, der Abt oder die Äbtissin. Ein kluger Abt aber wird den Mönch fragen, welchen Ruf er wohl selbst hört, und eine kluge Äbtissin wird prüfen, welches wohl der Wille Gottes ist. Auf seinen Vorgesetzten zu hören muss also nicht bedeuten, die eigene Freiheit zu beschneiden. Wir fügen uns dann vielmehr ein in eine größere Gemeinschaft, einen größeren Plan, oder in das, was wir „den Willen Gottes“ nennen.

Ein anderes Thema: Wussten Sie, dass jeder Priester bei seinem Amtseintritt einen „Treueeid“ schwören muss? Die Priester werden so in einen in meinen Augen unguten und viel zu weit reichenden Gehorsam gegenüber dem Bischof verpflichtet. Auch hier wäre Ungehorsam durchaus angemessen. Biblisch gesehen sollen wir nämlich gar nicht schwören:

Mt5: 33 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. 34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs! 36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. 37 Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.

Viele Grüße, und seien Sie heute mal ungehorsam! Ruth Fehling

Aus: Der kleine Kalender

„Der Tag des Ungehorsams findet am 03. Juli 2021 statt. Dieser Tag ruft den Akt des zivilen Ungehorsams ins Gedächtnis. Dabei geht es darum, dass ein Bürger aktiv an der Politik seines Landes teilnimmt, indem er friedlich gegen ein Gesetz protestiert, was er für unangebracht, unmoralisch oder aus sonstigen triftigen Gründen für nicht rechtmäßig erachtet. Er verstößt also wissentlich dagegen. Auf diese Weise hat prinzipiell jeder die Möglichkeit auf Missstände in der Gesetzgebung aufmerksam zu machen.

Mahatma Gandhi hat diesen friedlichen Ungehorsam praktiziert und deswegen kann auch ihm gedacht werden am Tag des Ungehorsams. Er führte sein Heimatland Indien zur Unabhängigkeit und war eine Inspiration für Bürgerbewegungen mit dem Ziel der Freiheit und Menschenrechte. Der Tag des Ungehorsams soll vor allem darauf aufmerksam machen, dass es friedliche Wege gibt eine unangemessene Gesetzgebung zu kritisieren. Der US-amerikanische Philosoph spricht in diesem Zusammenhang sogar von der „Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“. Der Text „Tag des Ungehorsams“ wurde von www.kleiner-kalender.de entnommen.“

2 Gedanken zu „3. Juli – Tag des Ungehorsams“

  1. Ein guter, interessanter Text, und mich beeindrucken immer wieder Menschen wie Mahatma Gandhi und Martin Luther King, das sind die großen Namen; aber gerade hier sind auch die ganz normalen Bürger zu nennen wie eine Rosa Parks und die Nine von Little Rock (Arkansas), die mutig zivilen Ungehorsam praktiziert haben und im den 1960igern sich der weißen Unterdrückung widersetzt haben, ebenso mutig wie die Menschen überall auf der Welt, die für BLACKLIVES MATTER eintreten.

    Ja, auch in der Kirche ist es schon immer gut und richtig gewesen, UNgehorsam und Menschenverstand zu praktizieren, aber noch wichtiger seinem Gewissen zu folgen und sich Gedanken zu machen, was E R von uns will, wo er uns hinstellt und das ist für mich ganz klar in seine Nachfolge, den Mesnchen, unseren Nächsten nahe zu sein, da zu sein, wo Menschen Ängste und Nöte haben, zu schauen, dass es ihnen gut geht, und zwar an Leib und Seele, dafür lass ich gerne alles liegen und stehen.
    Ja, Kirche und ganz besonders die katholische Kirche wird in vielen Belangen tiefgreifende Veränderungen vornehmen müssen.
    Heute morgen beim Spaziergang im Park und Wald hinter dem Klinikum sind mir Scharen von Menschen begegnet, die zu ihrem Gottesdienst in der LaHöh unterwegs waren, jung und alt, Frauen Männer und Menschen auch aus unserer SEWK; hab mir überlegt, wie das kommt, und ein wichtiges Moment fiel mir auf: die sind als freie Gemeinschaft unterwegs, ich betone Gemeinschaft und frei.
    Es ist sicherlich dort Vieles zu hinterfragen, aber ein Wir-Gefühl kann ich da ganz deutlich spüren! Das macht mich manchmal nachdenklich.
    Im Sinne, guten zivilen Ungehorsam überall, auch in Kirchens, zeigen zu dürfen grüße ich herzlich und wünsche eine gelingende Woche.
    Barbara Ring-Rohr

  2. Dazu passt das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein, das mir vor einigen Tagen wieder in den Sinn kam. Es ist das kleinste Geißlein, das im Ungehorsam das Verbotene tut, und damit die anderen retten kann, die sich an die Vorgaben gehalten haben. Möglicherweise war es nicht das erste Mal, dass es den Uhrenkasten untersucht hat; vielleicht gerade durch das Verbot neugierig geworden. Es ist der Sache auf den Grund gegangen und hat gewusst, wie die Tür zum sicheren Versteck zu öffnen ist.

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