11. Juli – Weltbevölkerungstag

„Jede Minute werden etwa 150 Menschen geboren – das sind am Tag mehr als 216.000 Menschen, und im Jahr fast 80 Millionen. Sie alle wollen leben, essen, arbeiten.“ (Quelle: https://rom-io.diplo.de/fao-de/aktuelles/-/2358072).

Jetzt, Freitag Nachmittag (ich schreibe gerade …) um 16:53 sind es 7.880.639.806 Menschen. Wieviele sind es in dem Augenblick, in dem Sie diesen Artikel lesen. Schauen Sie doch gerade mal nach!

Im ersten biblischen Schöpfungsbericht (ja, es gibt dann noch einen zweiten …, der beginnt in Gen 2,4 – aber das ist ein anderes Thema), also: im ersten biblischen Schöpfungsbericht heißt es: „So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau. Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! “ (Gen 1,27.28)

Ich würde sagen, diesen Auftrag haben die Menschen erfüllt. Sie sind nicht nur fruchtbar, sondern sie haben auch die medizinischen und ernährungstechnischen Möglichkeiten, sehr viel länger zu leben als noch vor hundert Jahren.

Ernst Ulrich von Weizäcker schreibt in seinem Buch „Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen“ , dass der biblische Schöpfungsbericht in einer leeren Welt geschrieben worden sei. In einer fast menschenleeren Welt (S. 110 ff). Unsere Gegenwart sei jedoch das Anthropozän, eine vom Menschen dominierte Welt. Aktuell bedeute dies, „dass Menschen und Nutztiere … kombiniert 97% des Körpergewichts aller lebenden Landwirbeltiere auf der Erde ausmachen.! Dies bedeutet, dass Elefanten und Kängurus, Elche und Ratten, Vögel, Reptilien und Amphibien zusammen nur 3% des Wirbelkörpergewichts der ganzen Welt ausmachen.“ (S. 44)

Was wir Menschen faktisch tun, entspricht nicht dem biblischen Schöpfungsauftrag. Denn dort steht ja nicht: „Vermehrt euch über die Maße. Verdrängt alle anderen Lebewesen. Denn nur ihr habt das Recht zu leben. Haltet euch Nutztiere, beutet sie in großen Schlachtbetrieben aus. Stopft sie mit Antibiotika voll. Versenkt die Gülle auf dem Acker. Holzt Wälder, damit ihr für euren Fleischkonsum große Rinderherden halten könnt. Holzt Wälder, damit ihr Soja für eure Tiere anpflanzen könnt. Plündert die Erde ruhig aus, vertreibt alles andere, was lebt, macht es zunichte. Denn ihr, die Menschen, seid der Nabel der Welt. Auf euch kommt es an. Euch habe ich meine Krone aufgesetzt.“

Der Weltbevölkerungstag gibt mir in zweierlei Hinsicht zu denken: Was machen wir mit dem Auftrag „Seid fruchtbar und vermehret euch!“? Vermehrung, Wachstum, auch hinsichtlich der Zahl der Menschen auf dieser Erde, sind irgendwie nicht mehr angesagt. Irgendwie stört sich das mit dem christlichen Weltbild und auch der Freude über ein jedes Menschenkind, das geboren wird. Das andere Thema ist, wie wir Menschen in dieser großen Zahl mit der Schöpfung umgehen können, so dass wir sie bestmöglich schützen.

Wir werfen zum Beispiel unfassbar viele Lebensmittel weg. Auch hierzu kann man problemlos im Internet recherchieren.

Menge der weggeworfenen Lebensmittel in Prozent – nach Kategorien geordnet. Quelle: https://toogoodtogo.de/de/movement/knowledge/what-food-is-wasted

Die Massentierhaltung und Fleischproduktion verbraucht viel zu viele Ressourcen.

Es wäre möglich, sehr viele Menschen zu ernähren, die Schöpfung gäbe das sogar her. Aber wir müssen dringend große Räume schaffen, auf dem Land und im Wasser, die wir zu menschenfreien Zonen erklären. D.h. dann auch, dass dort nichts mehr erwirtschaftet wird. Aktuell haben wir es mit einem massiven Artensterben (ich verlinke diesen Begriff hier bewusst nicht. Wenn Sie dazu etwas lesen möchten oder eine Doku anschauen möchten, dann wählen Sie aus der großen Zahl der online-Angebote bitte selbst …) zu tun. So dass mir das Bibelwort nochmals verschlimmert entgegenkommt: „Seid furchtbar und vermehret euch. Dann macht ihr die Schöpfung sicher kaputt.“

Irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, mich für diesen Text entschuldigen zu müssen. Ich hätte lieber einen fröhlichen, leichten und optimistischen Text geschrieben. Die ökologische Katastrophe, in der wir uns jedoch bewegen (ich wähle hier in der Sprachform bewußt die Gegenwart) wird mit Sicherheit noch größer werden.

Es macht sich in mir Ohnmacht breit und ich möchte Sie eigentlich nicht in die Ohnmacht entlassen. Also: Ich selbst werde jetzt beten – und auch heute auf Fleisch verzichten.

Trotz allem herzlich, und in geschwisterlicher Verbundenheit,

Ruth Fehling

Quelle zu dem Zitat von Weizäcker: Ernst Ulrich von Weizäcker, Anders Wijkman u.a. Club of Rome: Der große Bericht. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. 2018.

Ein Gedanke zu „11. Juli – Weltbevölkerungstag“

  1. Ein Beitrag, der füewahr nachdenklich macht und der jeden einzelnen von uns herausruft, herausfordert, zu überlegen, wie wir damit auch aktiv umgehen wollen.
    Zum biblischischen Satz „Seid fruchtbar und mehret Euch“, so deute ich ihn auf unsere Zeit etwas um und sage „Seid fruchtbar in gutem Denken und vermehrt Euer Hirn und Eure Anstrengungen jetzt zu handeln“.

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